Daily Dose, Meine Woche

Weihnachten mal anders – Teil II

Ein Fest der Liebe

Dieses Jahr war das erste Jahr, an dem meine Eltern mich an Heilig Abend besuchen kamen. Es hängt keine Dekoration, es ist kein Festessen geplant und Zeit für Vorbereitungen hatte ich auch nicht.

Im Vorfeld begann das Verlangen nach einer Auszeit. Der Moment sich einfach mal gehen zu lassen und alle anderen Gedanken über Bord zu werfen. Aber ist das überhaupt möglich, alles mal für einen kurzen Augenblick zu vergessen?

Ich denke immer wieder über einen Kurzurlaub nach, mehr ist in dieser Zeit einfach nicht möglich. Es ist der Alltag, der mich nicht mehr aus seinem Bann lässt. Eine Erledigung hier, eine andere Verantwortung da und mein Kopf sagt immer wieder, du musst dich auf deine Prüfungen vorbereiten.

Heutzutage beklagt sich ein jeder über die stressige Situation und den andauernden Perfektionismus an den Festtagen. Über all dies wird hinweg gesehen, weil es immerhin Weihnachten ist und eigentlich trotzdem sehr schön sein kann.
Ist das eigene Stresslevel an einem bestimmten Punkt angekommen, kann man überdies einfach nicht hinwegsehen. Die nervige Oma oder die perfektionistische Mutter kennt ein jeder von uns.

Vielmehr versuche ich mir dieses Jahr, eine kleine Auszeit zu schaffen. Immerhin ist das Weihnachtsfest nicht immer ein Fest der Entspannung. Schließlich habe ich mich entschlossen, kurz nach Weihnachten ein paar Tage zu entspannen und es mir irgendwo gut gehen zu lassen.

Auf den Boden der Tatsachen.

Einen Tag vor Heilig Abend kommt der Anruf. Mein Herz steht kurz still und schnell sinkt mein Blick zu Boden.

Ich höre eine bekannte Stimme am Ende der Leitung, die sagt, dass in absehbarer Zeit ein geliebter Mensch dieses Leben verlassen wird. Aber verstanden habe ich es nicht.
Bis heute ist es für mich unverständlich. Kurzum ist mir Weihnachten egal und ich denke nur noch an meine Familie und schließlich an meinen Großvater.

Bilder, Szenen von früher und sein Gesicht habe ich deutlich vor meinen Augen.

Ich bin kein Befürworter der Weihnachtstradition und hatte mich lediglich darauf gefreut, Zeit mit meinen Eltern zu verbringen. Meine Eltern fuhren schließlich an Heilig Abend, nach einem schnellen Mittagessen, nach Hause um vor Ort zu sein. Vor Ort bei meinen Geschwistern, Tante & Onkel, Cousine und meiner Großmutter.

Der Zeitpunkt für den Tod existiert nicht. Kurzum kann man sich darauf nicht vorbereiten und man muss ihn akzeptieren. Die Gewissheit des Verlustes hilft, aber macht es nicht weniger schmerzhaft. Dieser Augenblick ist für mich neu und das Gefühl des Verlustes eines Familienmitgliedes hatte mich bis dahin noch nicht heimgesucht.

Oneway des Lebens

Ich bin nachdenklich und kann mich nicht konzentrieren. In Bezug auf Weihnachten beginnen Gedanken der Reue und Vorwürfe machen sich breit. Ich hatte mich zuvor immer gedrückt, war selten da und hatte ihn zuletzt vor genau einem Jahr gesehen. Die Erinnerungen sind schwammig. Schließlich versuche ich, alle Gedanken abzuschütteln.

Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und es ist zu spät. Zum Glück habe ich eine Familie, die immer hinter mir steht. Genauso stehe ich hinter ihnen, trotz der Entfernung. Wir werden uns bald wiedersehen und in die Arme schließen können.

Als die Nachricht kam, saß ich alleine, fern meiner Familie, zu Hause – wie den Großteil der Feiertage. Die Gewissheit war da.

Frohe Weihnachten!

Trotzdem darf man nicht vergessen das Weihnachten ist. Ich hoffe ihr hattet alle erholsame Feiertage mit euren liebsten. Wie es nun weiter geht, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich hatte mich schon lange auf den Urlaub gefreut, um den Kopf frei zu bekommen. Leider ist mein Kopf voller Gedanken. Anders gesagt war der Urlaub dafür da den Kopf freizubekommen.
Jetzt weiß ich, dass es unmöglich ist, für einen kurzen Augenblick zu vergessen.

Es kommt hin und wieder anders als geplant.
Ich werde daher nicht in den Urlaub fahren.

Trauer lässt sich nicht durch ein paar erholsame Tage verdrängen, sondern wird vielmehr nur noch schlimmer. Hin und wieder ist Zeit für sich selbst ein Moment, in der man lieber unter Geliebten sein sollte, um nicht zu explodieren. Dies ist ein solcher Moment.
Ich werde die Zeit nutzen, um mit Freunden und geliebten Menschen Zeit zu verbringen.

Denn manchmal ist die Zeit zu kurz und die Welt dreht sich immer weiter – unaufhaltbar.

Ruhe in Frieden, Großvater.

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3 Comments

  • Reply Kerstin 25. Dezember 2016 at 20:13

    Ich würde gerne Worte finden, um Dir etwas Trost zu senden, doch ich habe selbst im letzten Jahr gelernt, dass diese dem Trauernden oft hohl und viel zu viel vorkommen.
    Und trotzdem wünsche ich Dir Kraft, Deine Trauer raus und zuzulassen, sie mit Deiner Familie zu teilen und die Zeit willkommen zu heißen, in der Ihr Euch dann in Freude erinnern könnt.
    Weh tun wird es immer wieder mal – lass es zu… Und da es Dir da anscheinend so geht wie mir: schreib weiter drüber – lass Deine Gedanken frei – auch das hilft…

    • Reply Snaapbacker 25. Dezember 2016 at 20:41

      Hallo Kerstin,
      danke für deine tollen Worte. Ich erinnere mich schon jetzt mit Freude. Schreiben ist wirklich eine super Möglichkeit damit umzugehen.
      Ich hoffe du hast tolle Feiertage.

      Frohe Weihnachten,
      Tim

  • Reply Willkommen Zuhause - Ruhe mal anders - Snaapbacker.de 22. Januar 2017 at 20:07

    […] Grund für meine Reise war die Beerdigung meines Großvaters. Nach der Beisetzung war ich froh, im Kreise alter Freunde und meiner Familie zu sein. Die Tage in […]

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